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Fuerte Fan Magazin — das deutschsprachige Urlaubsmagazin für Fuerteventura

Fuerteventura Spezial-Report

PAJARA, AJUI, TOTO

und Umgebung...

Fuerte Fan Magazin — das deutschsprachige Urlaubsmagazin für Fuerteventura


Auszüge aus dem Titelthema der 2. Ausgabe 2004 des FUERTE FAN MAGAZINs

Wenn die Rede ist vom Municipio, also vom Gemeindebezirk Pájara, so stehen meist die kilometerlangen, goldgelben Sandstrände am türkis-blauen Meer im Vordergrund. Tatsächlich tragen diese ausgedehnten Strände im Süden viel zur Attraktivität der Gemeinde Pájara bei. Aber die südlichste der sechs Gemeinden hat weit mehr zu bieten.

Der Gemeindebezirk Pájara umfasst mit einer Fläche von 383,51 Quadratkilometern den gesamten Süd-westen der Insel. Er ist somit nur im Norden und im Osten nicht vom Meer begrenzt und verfügt über insgesamt 150 km Küste.
Nördlich schließt sich der Bezirk Betancuria, östlich der Bezirk Tuineje an. Das Gemeindegebiet wird durch die Landenge von La Pared in zwei Teile geteilt: die Halbinsel Jandía im Süden und der nördliche Gemein-deteil. Nachdem in der vorletzten Ausgabe der Süden Thema unserer Titelreportage war, möchten wir Ihnen nun den nördlichen Teil der Gemeinde Pájara vorstellen, der mit gänzlich anderen Reizen aufwartet als der von den Traumstränden beherrschte Süden.
Die Dörfer im Norden des Gemeindegebietes sind: Pájara als Verwaltungssitz des Inselsüdens und Toto im Binnenland, sowie Ajuy, ein reizvolles Fischerdorf an der Westküste, zusammen mit einigen kleineren Ansiedlungen.
 

PÁJARA

Der Hauptort Pájara liegt wie eine grüne, ruhige Oase in einem tiefen Tal, das von über 600 m hohen Bergen (darunter der Berg Fenduca mit 609 m) umgeben ist, welche die austrocknenden Winde abhalten und der Ortschaft den Eindruck von Beschaulichkeit und Ruhe verleihen. Gepflegte Grünanlagen mit Hibiskus-Hecken, Bougainvillen und Oleandersträuchern, schattige Bänke unter hohen Lorbeerbäumen, in denen die Spatzen ohrenbetäubend zwitschern, prägen die Stimmung.
Der Wohlstand, den die touristischen Zentren im Inselsüden der Region gebracht haben, ist hier deutlich spürbar. Davon zeugen im Ortskern nicht nur die gefliesten Gehwege, das moderne Rathaus und die mit Liebe restaurierten Gutshäuser mit den typisch kanarischen Holzbalkonen, sondern auch das kommunale Süßwasserfreibad — ein ganz offensichtlicher Luxus auf dieser wasserarmen Insel.
Doch das war nicht immer so. In Zeiten, als im Barranco de Pájara, wenn man dem Namen trauen kann, noch wilde Rebhühner lebten (das Wort “pájara” bedeutet nämlich in andalusischem Dialekt Rebhuhn), sah das Leben ganz anders aus.

Geschichte

Der Ortsname Pájara taucht zum ersten Mal in einem Akt der damaligen Inselregierung aus dem Jahr 1612 auf. In diesem Dokument ist die Rede von Betancuria und dort werden auch die Einwohner von Pájara erwähnt, was die Existenz der Ortschaft mindestens seit dieser Zeit beweist.

Der Weiler Pájara begann kurz nach dem Ende der Conquista zu wachsen. Seine Entwicklung stützte sich im 16. und 17. Jahrhundert auf Landbau, Viehzucht, Fischfang und Handel, der über die Häfen von La Pared und Peña Horadada betrieben wurde.

Im 17. Jahrhundert war Pájara bereits eine Siedlung, die trotz der Hungersnöte und periodischen Emigrationswellen, die auf besonders trockene Zeiten folgten, langsam wuchs und an Bedeutsamkeit gewann. Mitte des 17. Jahrhunderts war die Ortschaft Sitz einer der fünf Infanterietruppen der Insel. Im Jahre 1681 sprachen die Einwohner beim Cabildo (= der Inselregierung) vor, um die Genehmigung für eine Ausdehnung des Saatlandes zu erhalten, da die Einwohnerzahlen so gestiegen seien, dass die Länder nicht mehr ausreichten.

Im selben Jahr wurde auch das erste Kirchenschiff der Kirche Nuestra Señora de Regla in Pájara fertig gestellt. Anfang des 18. Jahrhunderts bekam die Ortschaft hohen Besuch: Bischof Juan Ruiz Simón kam auf die Insel und kritisierte den Mangel an kirchlicher Präsenz in den von der Hauptstadt und einzigen Pfarrei Betancuria abgelegenen Dörfern, wovon er sogleich bei seiner Rückkehr aufs Festland König Felipe V in Kenntnis setzte.

Es wurde beschlossen, dass eine religiöse Dezentralisierung und dafür die Gründung neuer Pfarrgemeinden auf der Insel nötig sei, um alle Gläubigen gleichermaßen mit „geistlicher Nahrung“ versorgen zu können. Es wurden die Ortschaften La Oliva und Pájara als Sitze der neuen Hilfspfarreien ausgewählt: beides Weiler in beträchtlicher Entfernung von der Hauptstadt sowie mit einer wachsenden Einwohnerschaft und bereit, für die Kosten der Geistlichkeit aufzukommen.

So wurde im Jahr 1708 die Hilfspfarrei Nuestra Señora de Regla in Pájara gegründet; ein wichtiges Ereignis für die Gemeinde, da ab diesem Zeitpunkt die Abhängigkeit vom Gerichtsbezirk der Pfarrei Betancuria beendet war. Der Gerichtsbezirk der neuen Hilfspfarrei Pájara umfasste anfangs die Ansiedlungen von Toto, Ajuy, Bárjeda, Enduque, Chilegua, Mézquez, Mirabal über Tiscamanita, La Florida, Adeje, Cardón, Tesejerague bis nach Tuineje und zur Halbinsel Jandía.

Zwar wurde der Einflussbereich der Pfarrei Pájara in der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts mit der Gründung mehrerer neuer Pfarreien, u.a. in Antigua und Tuineje, wieder eingeschränkt, doch die Beförderung Pájaras zur Hilfspfarrei hatte immerhin einen Ausbau der Kirche zur Folge: Ein zweites Schiff sollte der beträchtlich gewachsenen Pfarrgemeinde Obdach bieten. Der Anbau wurde im Jahr 1733 fertig gestellt, als die Ortschaft Pájara bereits 432 Familien zählte.

Im Laufe des 18. Jahrhunderts erfuhr die Siedlung einen starken Bevölkerungszuwachs, der eine erneute Erweiterung der landwirtschaftlichen Fläche nötig machte. Außerdem entstanden in jener Zeit öffentliche Einrichtungen wie ein Schlachthof, der seit 1775 in Betrieb war und ein „pósito“ aus dem Jahr 1776, ein Lagerraum, in dem Vorräte für Dürreperioden aufbewahrt wurden.

In dem 16-bändigen Nachschlagewerk “Diccionario Geográfico-Estadístico-Histórico de España y sus posesiones de ultramar“ von Pascual Madoz aus dem Jahr 1850 ist nachzulesen, dass das Gemeindegebiet Pájara bis zum Jahr 1835 bereits 100 gruppierte und 237 verstreute Häuser, zwei Schulen und 1.449 Einwohner zählte, von denen 314 lesen und 102 auch schreiben konnten.
Die Produktion von Weizen, Gerste, Kartoffeln und Salzkraut waren neben der Zucht von Rindern, Ziegen, Schafen, Pferden, Eseln und Kamelen die wichtigsten Wirtschaftszweige. Die Viehzucht stellte von jeher einen sehr wichtigen Sektor in der Region dar, die mit ihren weiten, unbewohnten und teilweise landwirtschaftlich nur schwierig nutzbaren Gebieten für Viehwirtschaft geradezu prädestiniert schien. Die Haltung von Ziegen, Schweinen, Rindern und Schafen diente vornehmlich der Ver-sorgung mit Fleisch, Milch, Käse, Leder und Wolle, aber auch der Beschaffung von Mist, der im hiesigen Ackerbau jahrzehntelang als einziges Düngemittel eingesetzt wurde.

Esel und Kamele fungierten traditionsgemäß als Transportmittel für Waren und Personen sowie als Triebkraft: Zum einen um die Wasserschöpfräder („norias“) und Getreidemühlen („tahonas“) zu betreiben, zum anderen für die landwirtschaftliche Arbeit wie Äcker umpflügen oder Korn dreschen.
Außerdem belebte ab Mitte des 19. Jahrhunderts ein neues agrarisches Exportprodukt die Wirtschaft der Region: Der rote Cochenille-Farbstoff, produziert von den Larven der Schildlaus, welche sich ernähren von den bereits vor Jahrhunderten aus Mexiko eingeführten Opuntien-Kakteen.

Zwar setzte sich die Zucht der Cochenille-Schildlaus auf Fuerteventura längst nicht so erfolgreich durch wie zum Beispiel auf der Nachbarinsel Lanzarote (1844 produzierte Fuerteventura erst ein Zehntel der Cochenille-Produktion von Lanzarote), aber sie stellte nichtsdestotrotz eine wichtige Alternative zur unsicheren, weil regenabhängigen Landwirtschaft dar. Davon zeugen in den Dörfern Pájara und Toto noch die zahlreichen verwilderten Kakteenfelder, die von alten, teils verfallenen Steinmauern begrenzt werden.

Bereits seit Ende des 18. Jahrhunderts war auch gebrannter Kalk zu einer wichtigen Einnahmequelle der Region geworden. Besonders entlang der Küstenlinie und um Ajuy wurde Kalkstein in großen Mengen abgebaut und in den heute noch erhaltenen Kalköfen, zum Beispiel direkt am Strand von Ajuy oder an der Steilküste nördlich vom Strand, gebrannt.

Die Entwicklung der Gemeinde konsolidierte sich im 20. Jahrhundert; die Bevölkerung wuchs stetig: Bei der Volkszählung Spaniens in 1940 ergab sich für den Bezirk eine Einwohnerzahl von 1.345, zehn Jahre später war diese Zahl auf 1.736 gestiegen. Ein unwesentlicher Anstieg natürlich, verglichen mit dem Wachstum, das der Tourismus gebracht hat: Im Januar 2004 zählte die Gemeinde Pájara 17.802 Einwohner.

Wirtschaftlich blieben in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts die extensive Viehzucht sowie Fischfang und Ackerbau wesentlich, ein zusätzliches Standbein für viele Einwohner war der Kalkexport, der fehlende Erträge während Dürrezeiten kompensieren konnte. Im 20. Jahrhundert wurde die hiesige Landwirtschaft um den Anbau von Luzerne als Futterpflanze und Tomate als das Hauptexportprodukt der Gemeinde erweitert.

Zwar maßen die Majoreros dem Ackerbau von jeher wohl aufgrund ihrer Tradition als Nomaden und Viehzüchter geringere Bedeutung bei, doch fand der Bewässerungsfeldbau von Tomaten vor allem in der nördlichen Region der Gemeinde Pájara breite Akzeptanz — im Gegensatz zum Trockenfeldbau, dem „enarenado“, bei dem der Boden mit Wasser speicherndem und mineralreichem Picón (= hygroskopische Steinchen aus Vulkanasche) bedeckt wird.

Dies mag zum Teil darauf zurückzuführen sein, dass die Tomatenfelder nach der Ernte, also gut zwei Drittel des Jahres, von Ziegen beweidet werden können, während die empfindlichen Picón-beschichteten Äcker nicht zertrampelt werden dürfen. Heute ist der einzige nennenswerte Erwerbsanbau der Region die Tomatenproduktion, obwohl auch diese durch die Konkurrenz von Billigexporteuren wie Marokko sowie wegen Wassermangels und fallender Preise mit großen Schwierigkeiten zu kämpfen hat (siehe “Wirtschaft heute...” weiter unten).

Der Tomatenanbau im großen Stil hatte auf der Insel erst spät Einzug gehalten: Während auf Gran Canaria schon Ende des 19. Jahrhunderts die Engländer damit begannen, entstand die erste Tomatenplantage auf Fuerteventura erst im Jahr 1927 in dem verhältnismäßig wasserreichen Gebiet von Antigua bis Tiscamanita. Die Pflanzungen dehnten sich aus, sodass auch die Region von Pájara, Toto und Ajuy zu wichtigen Anbauzonen wurden, obwohl bereits damals die Abhängigkeit vom Import von Samen, Pestiziden und Chemiedünger, Verpackungsmaterial sowie der Bewässerungspumpen ein Problem darstellte. Die von der Inselregierung zu der Zeit erhobenen Steuern sowohl für diese Importprodukte als auch für den Tomatenexport erschwerten die Lage zusätzlich. Schließlich brachten der spanische Bürgerkrieg und der Zweite Weltkrieg die gesamte Exportwirtschaft zum Erliegen und der Tomatenanbau konnte erst danach wieder aufgegriffen werden.

Die große Transformation erfuhr die Gemeinde Pájara jedoch in den 60er und 70er Jahren mit dem Beginn des Tourismus, der mittlerweile die wirtschaftliche Lebensgrundlage der Gemeinde darstellt.
Spricht man heute mit den älteren Einwohnern von Pájara, so wird einem klar, dass die Menschen hier erst mit dem Tourismus einen Anstieg ihrer Lebensqualität erfuhren. Bis in die 60er Jahre hinein war das Leben geprägt von der Anstrengung, unter widrigsten Umständen dennoch ein Auskommen zu finden. Man lebte sozusagen von der Hand in den Mund, da die Ernte von Weizen, Mais, Linsen, Zwiebeln und anderem Gemüse gerade ausreichte für den Eigengebrauch für zusätzlichen Verkauf warfen die Felder nicht genug ab. Wenn etwas Gemüse übrig war, so wurde es getauscht gegen Fisch, den die Fischer von der Küste auf einem Eselkarren ins Dorf brachten.

Der heute 74-jährige Majorero Pedro Alonso Torre erinnert sich an diese Zeiten: Wenn die Fischer aus Ajuy, dem nahe gelegenen Fischerdorf, mit ihrem Fang ins Dorf kamen, benutzten sie eine große Muscheltrompete, um sich anzukündigen. Sie zogen von Haus zu Haus, und dann begann der „trueque“, der Tauschhandel: Ein Sack Gofio gegen Vieja (Papageienfisch), Kartoffeln gegen Cabrilla (Sägebarsch), Erbsen gegen Sardinas (Sardinen) und so weiter. Allerdings war das nur an weniger heißen Tagen möglich. Im Sommer verdarben die Fische auf dem ungekühlten Eselskarren sehr schnell. Daher wurde der Fisch oft auch getrocknet und erst dann verkauft. In großen Mengen breiteten die Fischer Sardinen auf dem Kieselstrand von Ajuy aus und ließen sie an der Sonne trocknen. Getrocknet und gesalzen heißen die schmackhaften Fischlein, die flambiert „mit Haut und Haar“ gegessen werden, „majugas“.

Sehr häufig sah man in Pájara und Umland auch größere Fische an Wäscheleinen auf den Dächern der Häuser trocknen. Dies waren oft Viejas, aber auch andere Fischsorten, die ausgenommen, enthäutet und an der Rückenfinne entlang geöffnet wurden; anschließend rieb man sie mit grobem Meersalz ein und ließ es einen Tag einziehen. Am nächsten Tag wurden die Fische noch einmal gewaschen, wieder gesalzen und zum Trocknen an den Augen auf Wäscheleinen aufgezogen. Nach einer Woche, oder auch vier bis fünf Tagen bei viel Sonne, waren diese Trockenfische, die „jareas“, haltbar gemacht und bis zu einem Jahr später noch genießbar. (Heute gibt es die Trockenfische, hygienisch abgepackt, in jedem Padilla-Supermarkt zu kaufen.)

Auch umgekehrt ging Pedro Alonso Torre als Junge mit seinem Vater oft den mühsamen Weg zu Fuß an den Strand, um dort Gemüse feilzubieten, wenn die Ernte ausreichend gewesen war. Aber vor allem in Perioden von Trockenheit, wenn der Winter nicht viel Regen gebracht hatte, fiel die Ernte so spärlich aus, dass man sich nicht selten als Hauptmahlzeit auf eine Portion Gofio, einem Brei aus geröstetem und selbst gemahlenem Getreide, mit nichts als einer Zwiebel dazu, zufrieden geben musste.

Da die Menschen sich hier wegen der verheerenden Dürreperioden nicht auf eine sichere Ernte verlassen konnten, hatte jeder Bauer mehrere Standbeine. Er baute neben Gemüse und Getreide auch Futterpflanzen, vor allem „alfalfa“, die Luzerne, an, um Tiere ernähren zu können.

Neben der Haltung von Eseln und Kamelen zu Transportzwecken und zum Getreidemahlen züchtete man Ziegen und verarbeitete selbst die Milch zu Käse. Sechs Monate im Jahr waren auf diese Weise „gesichert“, in den anderen sechs Monaten, in denen die Ziegen keine Zicklein hatten und somit keine Milch gaben, konzentrierte man sich statt dessen auf den Fischfang. Viele Einwohner des Dorfes Pájara besitzen daher heute noch eine bescheidene Unterkunft an der Küste, zum Beispiel in Ajuy, die sie heute nur noch während der heißen Sommermonate oder zum Entspannen an den Wochenenden nutzen.

Die Menschen in dieser Region waren also oft Bauern, Viehzüchter und Fischer in einem — eine Vielseitigkeit, die aus der Not entstand. Außerdem war in trockenen Perioden für Viele die harte Arbeit im Kalkabbau oft die letzte Rettung.

Trotz dieser enormen Anpassungsfähigkeit sahen sich in regenarmen Zeiten viele Menschen aus der Region gezwungen, auszuwandern. Bereits um 1800 gab es aufgrund anhaltender Trockenheit eine Auswanderungswelle nach Argentinien, Kuba und Venezuela, eine Reise, die damals sicher nur jemand auf sich nahm, wenn er gar keinen anderen Ausweg mehr sah.

Als um 1880 dann auch noch der Handel mit dem Cochenille-Farbstoff nach Erfindung der Anilin-Farben in eine Krise geriet, weil der Naturfarbstoff plötzlich gegen die billigeren synthetischen Farben konkurrieren musste, verließen wiederum viele Einwohner Pájaras die Insel. Denn zur selben Zeit geißelte zusätzlich die Trockenheit die Insel schlimmer als je zuvor: Fünf regen-lose Jahre seit 1877 hatten die landwirtschaftlichen Erträge unter jegliches Existenzminimum sinken lassen. Noch heute haben viele Dorfbewohner weit verzweigte Familienbindungen nach Lateinamerika.

Ähnlich katastrophale Ausmaße nahm die Armut in dieser Region dann während des spanischen Bürgerkriegs von 1936 bis 1939 an. Die Regierung beschlagnahmte einen Großteil der spärlichen Ernte für die Armee, sodass den Bauern nur die Lebensmittelrationen zum Überleben blieben.
Beladen mit Lebensmitteln wie Mais, Zucker und Öl kam das Schiff „El Guanche“ in regelmäßigen
Abständen vom Festland nach Fuerteventura, um das Überleben der Insulaner zu sichern.

Pedro Alonso Torre erinnert sich, obwohl er zu Kriegsbeginn 1936 noch ein kleiner Junge war, an die große Not: „Wir Kinder standen auf dem Berg, von wo aus wir aufs Meer sehen konnten, und wenn wir in der Ferne die Rauchsäule von „El Guanche“ sahen, rannten wir ins Dorf hinunter und verbreiteten die Nachricht, und alle waren außer sich vor Freude.“ Freilich mussten sich die Bewohner von Pájara dann noch gedulden, bis das Schiff im Hafen von Gran Tarajal angelegt hatte, die Lebensmittel für die verschiedenen Gemeinden aufgeteilt (10 kg Mais pro Kopf war üblich) und schließlich auch nach Pájara transportiert worden waren. Doch man war von diesen Zulieferungen vollkommen abhängig.

Zwar versuchten die Bauern von Pájara und Umgebung in der Zwischenzeit, an anderen Orten Getreide zu erwerben, und wanderten dafür etliche Kilometer in der sengenden Sonne bis in die Hauptstadt, nach Villaverde oder gar La Oliva. Pedro Alonso Torre erzählt, wie er als Kind abends seinem Vater entgegen rannte, wenn dieser von solch anstrengenden Wanderungen ins Dorf zurückkehrte. Doch mehr als einmal war die Enttäuschung groß, kam der Vater mit leeren Händen nach Hause, denn auch in anderen Gemeinden herrschte Hunger.

Die Mutter hielt Hühner, um die Eier gegen knappe Waren wie Zucker und Öl eintauschen zu können. Don Pedro erinnert sich, wie sie manches mal das Huhn festhielt, bis es ein Ei gelegt hatte, um gleich darauf zum Laden zu hasten, und noch ein wenig Zucker zu ergattern.

Manche hielten sich auch als wandernde Eierhändler über Wasser, indem sie tagelang durch die Berge von Dorf zu Dorf zogen, mit einer Stange über den Schultern, an denen an beiden Ende ein Eierkorb (diese Konstruktion wurde auch zum Transport anderer Güter wie Feldfrüchte, Wasser, etc. verwendet und heißt “canga“) hing. Sie kauften den Bauern jedes Ei ab, um am Ende eines langen Tages die Eier in Puerto del Rosario an den Mann zu bringen.

Der Zustand verschlimmerte sich so sehr, dass die Nutztiere starben, weil kein Futter mehr da war. Bauern, denen noch Ziegen geblieben waren, schlachteten diese schließlich, um wenigstens das Fleisch noch zu verzehren. Pedro Alonso Torre erinnert sich, dass in der größten Not die Menschen aus dem Dorf sogar Gras in ihren Speiseplan aufnahmen.

Wer konnte, emigrierte nach Venezuela oder Kuba, wo oft bereits Verwandte ansässig waren. Die Mehrheit kehrte später wieder zurück nach Pájara, manche mit Geld, andere ärmer als zuvor.

Die Neuzeit

Man macht sich keine Vorstellung davon, wie urtümlich das Leben hier noch in den 50er und 60er Jahren verlief. Das erste Auto fuhr im Jahr 1955 über die Schotterpisten des Dorfes. Es gehörte einem besser gestellten Geschäftsinhaber und blieb jahrelang das einzige motorisierte Fahrzeug in der Region.

Wenn sich die Männer auf dem Dorfplatz von Pájara trafen, zündeten sie ihre kanarischen Zigarren mit Hilfe einer Lupe und der Sonne an, Streichhölzer waren Mangelware.

Manuel Cabrera Sánchez ist heute 42 Jahre alt und erinnert sich, während seiner gesamten Kindheit zusammen mit seinen sieben Geschwistern und den Eltern in einem Haus mit zwei Zimmern gewohnt zu haben. Die Kinder schliefen zu dritt oder viert in einem Bett. Das Leben war hart und selbst die Kleinsten mussten auf den Feldern helfen. Säuglinge nahmen die Eltern in Karren mit aufs Feld, denn die Arbeit musste weitergehen.

Manuels Eltern verkauften Gemüse und Ziegenkäse, den sie von der Milch der eigenen Ziegen selbst hergestellt hatten. Wenn die Familie auch nicht hungern musste, so stand doch häufig nur Gofio auf dem Tisch, denn den eigenen Käse musste man verkaufen, um anschließend von dem Erlös Lebensmittel wie Zucker und Öl erwerben zu können. Fleisch gab es höchstens einmal im Monat, und die Schuhe der Kinder wurden sicher im Schrank verschlossen und nur sonntags für den Kirchenbesuch angezogen.

Die Schulpflicht für Kinder wurde hier erst gegen Ende der 50er Jahre eingeführt. Es ist Manuels Generation, welche die größten Umwälzungen erlebt und deren Leben sich radikal geändert hat, als der Tourismus auf der “Insel der Ruhe” Einzug hielt. Auf einmal eröffneten sich neue Möglichkeiten, ein sicheres Einkommen zu verdienen, bei dem man sich nicht einmal schmutzig machen musste.
In Scharen verließen junge Leute Pájara und Umgebung, um sich in den Hotels im Süden des Gemeindebezirks Arbeit zu suchen oder bauten eine ganz neue Existenz auf. Manuel selber ist jetzt Inhaber der Bar-Cafeteria “Guayarmina“ (ein Guanchen-Name, den er seiner ältesten Tochter gegeben hat) am nordöstlichen Ortseingang von Pájara. Die Landwirtschaft ist jedenfalls heutzutage vollkommen vernachlässigt und spielt derzeit nur noch eine marginale Rolle.

Spricht man heute die Dorfältesten von Pájara darauf an, wie das Leben früher im Vergleich zu heute war, so sind sie sich alle einig: „Heute leben wir besser. Früher wurde viel gearbeitet und wenig verdient. Das Leben war hart und es gab viel Elend. Ja, heute leben wir wirklich besser!“

Pájara heute

Dass sich die Lage gebessert hat, spiegelt auch das äußerst gepflegte Ortsbild der kleinen Gemeindehauptstadt wider — auch wenn man dem Ort selbst, der heute nur 927 Einwohner zählt, seine administrative Bedeutung als Verwaltungssitz des gesamten touristischen Inselsüdens nicht unbedingt ansieht. Um dieses beschauliche, stimmungsvolle Dorf kennen zu lernen, nehmen Sie sich am besten etwas Zeit. Es gibt so viele interessante Details zu entdecken, wenn man nur die Augen öffnet. Ein Kurzbesuch kann dem nicht gerecht werden.

Fährt man aus dem nordöstlich gelegenen Tuineje in den Ort hinein, fällt auf, dass die Hauptstraße gesäumt ist von jungen Palmen, in der Mitte geteilt durch eine lange Hibiskus-Hecke mit herrlich duftenden roten Blüten. Sie führt geradewegs auf ein Kunstwerk aus rotem Vulkangestein zu, das über dem Kreisverkehr am Ortseingang thront: Eine lebensgroße Statue von einem Ziegenbauern beim Melken einer seiner Ziegen. Der Bildhauer ist der 34-jährige Juan Miguel Cubas Sánchez aus Pájara. Er hat sich mit seiner Kunst den traditionellen Themen verschrieben: ihm liegt am Herzen darzustellen, was früher im Leben der Majoreros wichtig war. Und die Ziegenzucht war ein essentieller Bestandteil des Lebens im Binnenland der Insel. All seine Werke haben mit der Kultur und den alten Gebräuchen dieser Region zu tun: „Ich arbeite mit dem, was verloren geht.“

Verloren geht zum Beispiel das Melken der Ziegen mit der Hand. Auf den Ziegenfarmen der Umgebung wird ausnahmslos mit großen Melkmaschinen gearbeitet, sodass Ziegenkäse in großem Stil produziert werden kann. Das “Monumento al Pastor“ (Monument für den Hirten) wurde erst im Juni vergangenen Jahres anlässlich der Verabschiedung der alten Gemeinderegierung und dem Einzug der aktuellen Regierung der sozialistischen Partei ins Rathaus von Pájara eingeweiht. Abends sieht es besonders schön aus, wenn der rote Stein von den eingebauten Scheinwerfern angestrahlt wird.

An diesem Kreisverkehr geht eine Brücke über den fast immer ausgetrockneten Barranco (= Flussbett), der den Ort in zwei Hälften teilt. Vor etwa fünf Jahren strömte hier zuletzt nach starken Regenfällen das Wasser aus den Bergen hinunter in Richtung Meer und setzte dabei das Dorf unter Wasser. In der “Bar Eucaliptos“, gleich hinterm Kreisverkehr, hängen über der Theke ein paar eindrucksvolle Fotos von dieser Überflutung.

Hier können Sie in der Nachmittagssonne an den Tischen auf dem Gehweg sitzen, sich Tapas in rauen Mengen servieren lassen (”un poquito“, ein bisschen, wird hier schon mal überinterpretiert), und das Kommen und Gehen am Ortsein- bzw. -ausgang beobachten.

Für einen “café con leche“ und ein Stück Gebäck am Vormittag ist eher die Bar “Guayarmina“ gegenüber zu empfehlen, auf deren schöner Terrasse, einem kleinen Platz mit drei großen Lorbeerbäumen und einer Palme, man dann die Sonnenstrahlen genießen kann.

Gleich neben dieser Terrasse fällt ein großer Kaktus auf, der den Eingang zur “Aula de la Naturaleza“ markiert. Der Weg führt durch einen von der Gemeinde angelegten Garten, der sich den autochthonen Pflanzen der Insel widmet, wie zum Beispiel den Tabaibas (gelb blühende, runde Büsche), Cardones (kerzenleuchterförmige, kakteenähnliche Gewächse, die unter Naturschutz stehen) und Verodes, allesamt zur Familie der Euphorbien gehörende Wolfsmilchgewächse, deren weißer Saft giftig ist und sie somit vor dem Ziegenverbiss schützt.

Die “Aula de la Naturaleza” selbst ist ein öffentliches Gebäude inmitten dieses Gartens, in dem Informationsbroschüren über die regionale Flora und Fauna und Wanderwege in der Gegend um Pájara bereit liegen. Auch interessante Naturvideos in verschiedenen Sprachen können auf Leinwand gezeigt werden. Geöffnet ist während der Woche von 7:00 bis 14:30 Uhr.

Die Pfarrkirche

Rosensträucher auf grünen Rasenflächen zieren die Hauptstraße, die in den Ortskern führt. Zur Rechten taucht die Kirche von Pájara auf, die Iglesia Nuestra Señora de Regla, die in jedem Reiseführer wegen ihres “rätselhaften“ steinernen Portals hervorgehoben wird.

Man ging lange davon aus, dass seine aztekischen Motive (geometrische Sonnenornamente, gefiederte Schlangen, bekrönte Pumas und geschmückte Indianerköpfe) Folge der kulturellen Kontakte der Ein-heimischen mit den lateinamerikanischen Kolonien seien. Hatten Rückkehrer aus Mexiko die Vorlage für diese Steinmetzarbeiten mitgebracht? Oder war gar das gesamte Portal Stein für Stein aus Mittelamerika ins unbekannte kanarische Dorf Pájara transportiert worden?

In manchen Reiseführern ist zu lesen, dass die benutzte Steinsorte nirgendwo auf Fuerteventura zu finden sei. Fragt man allerdings die älteren Majoreros im Ort, so müssen sie darüber lachen. Sie können einem sogar die Reste eines Steinbruches zeigen, in dem höchstwahrscheinlich der Kalksandstein für das Kirchenportal abgebaut wurde. Er befand sich ungefähr 10 km südwestlich
von Pájara im Barranco Amanay.

Richtig ist allerdings, dass eine solche aztekisch verzierte Kirchenfassade auf den Kanarischen Inseln einzigartig ist. Mittlerweile gehen Kunsthistoriker davon aus, dass der unbekannte Steinmetz seine Motive aus einem um 1700 erschienenen italienischen Vorlagenbuch bezogen hat, in dem diese mexikanischen Stilelemente beschrieben wurden.

Wie dem auch sei, die Kirche mit ihrem wunderschönen, von 40-jährigen Indischen Lorbeerbäumen beschatteten Kirchplatz ist auf jeden Fall einen Besuch wert. Das linke Kirchenschiff wurde im Jahr 1687 fertig gestellt, wovon ein Balken im Presbyterium mit dieser Jahreszahl zeugt. Erst im 18. Jahrhundert wurde das beinahe gleich große Seitenschiff angebaut, da sich die Gemeinde zu dieser Zeit vergrößert hatte.

Jeden Tag von 10 bis 14 Uhr steht die Tür im schlichten Rundportal des rechten Schiffes offen. Wenn Sie von draußen hereinkommen, brauchen Sie eine Weile, bis sich Ihre Augen an die Dunkelheit in dem ruhigen, kühlen Gebäude gewöhnt haben und Sie sich in aller Ruhe umsehen können.

Sollten Sie jedoch dem dämmrigen Zauber wenig abgewinnen, können Sie für einen Euro auch Scheinwerferbeleuchtung kaufen: Die Münze rechts neben dem Eingang in den schwarzen Apparat einwerfen und es wird Licht. Jetzt müssen Sie sich allerdings beeilen, denn nach circa einer Minute wird es wieder Nacht um Sie.

Und das wäre schade, zum Beispiel um die zwei hölzernen, bunt bemalten und teils mit Blattgold belegten Barockaltäre von 1785. Als zentraler Blickfang steht in der Mitte die Statue der Schutzheiligen und Namenspatronin Virgen de Regla, einer Madonna mit Kind, beide mit prächtiger Silberkrone geschmückt. Die Virgen de Regla wird ebenfalls in Kuba als Schutzpatronin der Städte Havanna und Regla, einer gleichnamigen Provinzstadt, verehrt.

Daher wird oft auf die Möglichkeit verwiesen, dass die Figur von einem wohlhabend aus Kuba zurückgekehrten Emigranten mitgebracht oder zumindest geordert wurde. Fragt man jedoch den Pfarrer der Kirche, so hat der Name einen gänzlich religionsgeschichtlichen Ursprung und datiert aus dem vierten bis fünften Jhd. n. Chr.: Zu dieser Zeit soll der Bischof San Augustín in Nordafrika eine Kongregation der Priester gegründet haben, damit die Priester in einer Gemeinschaft lebten. Um das Leben dieser Priestergemeinschaft zu regulieren, schrieb er ein Gesetz, eine Norm (span. “regla“) nieder, die er der Jungfrau (”virgen“) zu Füßen legte. Der Name “Virgen de Regla” stamme demzufolge von der “Ley de San Augustín“, dem Gesetz von Sankt Augustin. Dass die Madonnenfigur dunkelhaarig ist, ließe sich somit zurückführen auf ihre nordafrikanische Herkunft. Dennoch legt der korrekte Name Virgen de Regla, der sich mit “Jungfrau aus Regla“ übersetzen lässt, eher die erste Version nahe. Fälschlicherweise liest man allerdings manchmal auch die Bezeichnung “Virgen de la Regla“, was sich schon eher als “Jungfrau der Regel, der Norm“ interpretieren ließe.

Ein Höhepunkt im Festkalender von Pájara ist die “Fiesta de Nuestra Señora de Regla” am Abend des
2. Juli: Bei der feierlichen Prozession ist das ganze Dorf auf den Beinen und begleitet die Madonnenfigur durch den Ort. Am 15. August wird die Prozession wiederholt, und es finden sich neben den Dorfbewohnern auch Besucher von der ganzen Insel in Pájara ein, um ein mehrtägiges Fest zu feiern.

Im Altarbild des Hauptschiffs ist in der rechten unteren Nische eine ungewöhnliche Interpretation der kanarischen Volkskunst einer Christusfigur zu bewundern: Diese steht mit dem linken Fuß auf dem Kopf der Schlange, mit dem rechten auf einem Schädel, und vereint so die Eigenschaften des Erlösers (Triumph über die Sünde) mit denen des Auferstandenen (Triumph über den Tod).

Der Barockaltar des Seitenschiffes ist der Dolorosa gewidmet, eine eindrucksvolle kleine Schmerzensmadonna aus Holz mit echtem Haar. An der rechten Wand hängt ein riesiges Gemälde des Jüngsten Gerichts, in dem in der Mitte der Erzengel Michael und die Jungfrau Maria als Vermittler zwischen Himmel und Fegefeuer abgebildet sind.

Zu den weiteren Kostbarkeiten der Kirche gehört außerdem ein Kruzifix am Mittelpfosten vor dem Chorraum, dessen Christusfigur mit den feinen Gesichtszügen aus dem 18. Jhd. datiert und deren Arme beweglich sind, um die Figur für Prozessionen abnehmen und die Kreuzigung nachstellen zu können.

Auch die aus Holz gearbeitete Priesterkanzel ist einen näheren Blick wert. Ihre verschiedenen Kassettendecken in Rot-, Blau- und Goldtönen zeigen religiöse Symbole der Eucharistie, zum Beispiel den Pelikan, der die Liebe Gottes symbolisiert, weil er sich selbst Schmerzen zufügt um seine Kinder zu ernähren.

Obwohl die meisten Schmuckstücke der Kirche barocke Züge aufweisen, wie auch das schöne steinerne Taufbecken, zeigt die Innenarchitektur der Kirche viele gotische Elemente, zum Beispiel die Spitzbogen vor dem Hauptaltar oder das gotische Pförtchen, das zum Kreuzgewölbe beim Glockenturm führt. Bemerkenswert ist schließlich noch die schöne Holzdecke im Mudéjar-Stil, der im Spanien des 14. und 15. Jhds. aus der Verschmelzung gotischer und maurischer Formen entstand und auf Fuerteventura noch lange gepflegt wurde.

Der Ortskern

Wenn Sie die Kirche wieder verlassen, sehen Sie gegenüber das moderne, weißgetünchte Rathaus, das administrative Herzstück des gesamten Gemeindebezirks. Über dem Eingang ist das Wappen von Pájara zu erkennen, in dessen Mitte ein Vogel (ob das nun ein Rebhuhn ist?) an die Herkunft des Ortsnamens (”pájaro“ = Vogel) erinnert.

Im Kontrast zu dem modernen Gebäude ziert ein hölzernes Wasserschöpfrad aus dem vorigen Jahrhundert, eine Noria, den Vorplatz. Hier demonstrieren während der Woche von 9 bis 13 Uhr Benjamin Díaz Díaz und sein geduldiger Esel „Bombero“ (zu deutsch übrigens Feuerwehrmann) in traditioneller Aufmachung, wie noch bis in die 40er Jahre das Grundwasser gefördert wurde. Danach verdrängten die bereits Anfang des 20. Jhds. aus Amerika eingeführten Windräder endgültig die esel- oder kamelbetriebenen Schöpfräder, die den inzwischen gesunkenen Grundwasserspiegel nicht mehr erreichen konnten. Die restaurierte Noria vor dem Rathaus Pájaras ist das einzige noch funktions-tüchtige und traditionell, d.h. mit einem Zugtier, betriebene Wasserrad auf der Insel.

Die große, bananenbaumähnliche Pflanze links vor dem Rathaus ist übrigens keine Banane, sondern die berühmte schwarze Strelitzie, die als die „Blume der Kanaren“ gehandelt wird, obgleich sie, wie viele andere der in den Gartenanlagen anzutreffenden Pflanzenarten (Drachenbaum, Palmfarn, Aloe Vera usw.) nicht auf den Kanaren endemisch ist.

Ein kurzer Spaziergang den gefliesten “Peatonál Fuerteventura” (Fußgängerweg...) hinunter in Richtung Barranco führt am “Centro Cultural“ Pájaras mit der Gemeindebibliothek (deren fünf PCs neuerdings sogar mit Internetzugang ausgestattet sind — seitdem versammelt sich hier am Nachmittag und frühen Abend die Dorfjugend) und dem Freibad vorbei, das über acht 25m-Bahnen verfügt.

Die Bibliothek ist während der Woche von 13.30 bis 20.30 Uhr geöffnet, und sollten Sie Spanisch sprechen, freut sich Mari, die Bibliothekarin, über ein Schwätzchen, das ihr den langen Nachmittag etwas verkürzt.

Das Schwimmbad lädt nur während der Sommermonate zu einem erfrischenden Bad ein, und zwar ab 24. Juni bis Ende September von 13 bis 19 Uhr (vormittags werden Kurse gegeben).
Zurück an der Noria können Sie sich auf dem Mäuerchen im Schatten des hoch gewachsenen Zierlorbeers, in dem unzählige Vögel zwitschern, eine Ruhepause gönnen. Hier finden sich vormittags die alten Männer von Pájara ein, unterhalten sich oder lesen die Zeitung, wie der 83-jährige Don Julian (von den Dörflern zärtlich „Julianito“ genannt und auf unserem Titelfoto zu sehen), erkennbar an seinem schwarzen Hut und Gehstock, der Ihnen gerne die eine oder andere Anekdote aus dem Leben früher erzählt, wenn es Ihnen denn gelingt, seinen “Majorero-Slang“ zu verstehen, was durch das Fehlen einiger Zähne nicht unbedingt erleichtert wird. Aber aus der Körpersprache und den flinken Augen spricht so viel Warmherzigkeit, dass Worte kaum noch eine Rolle spielen.

Traditionspflege

Hier im Ortskern findet man auch die „Casa del Artesano“, wo Sie montags, mittwochs und freitags von 10 bis 13 Uhr, dienstags und donnerstags von 11 bis 14 Uhr, sowie nachmittags von 17 bis 18.30 Uhr und sonnabends von 11.30 bis 13.30 Uhr kanarische Handwerkskunst finden “zum Betrachten, Nachdenken und/oder Kaufen“, wie ein Schild am Eingang verrät. Sie können dabei zusehen, wie Susa traditionell “calado majorero“, die typische durchbrochene Stickerei, anfertigt, auch kunstvolle „ganchillos“, Häkelarbeiten, sind zu bewundern und ein alter Webstuhl, an dem Flickenteppiche gewebt werden. Susa bietet hier auch den Kindern und Jugendlichen von Pájara Kurse an, damit diese traditionellen kunst-handwerklichen Fähigkeiten nicht verloren gehen.

An der “Casa del Artesano“ verzweigt sich die Hauptstraße: links in die Calle Terrero, die an der Plaza de la Constitución (gegenüber der Bar Zas), an zwei Padilla-Supermärkten, einer Apotheke und einem Blumenladen vorbei (alle zwischen 13 und 16.30 Uhr geschlossen) und aus dem Ort in Richtung Ajuy und La Pared führt. An dem Platz befindet sich in einem neuen Gebäude das “Consultorio de Pájara“, die Arztpraxis, und der “Hogar del Pensionista“, wo sich die Senioren nachmittags ab 17 Uhr zum Dominospielen treffen. Die runde Tanzfläche davor wird vor allem während der Karnevalszeit (meist im Februar oder März) in Anspruch genommen.

An der Verzweigung geht es rechts in die Calle Guise, die von alten Häusern im traditionellen Stil mit Lehmdächern gesäumt ist, und vorbei an dem wunderschönen Lokal „Casa Isaítas“ aus dem Ort in Richtung Vega de Río Palmas und Betancuria führt.

Auf der Strecke ist an der rechten Hand genau in einer Kurve noch ein alter Kalkofen, ein rundes Bauwerk aus Natursteinen, zu sehen. Außerdem fallen auf dieser Straße, die sich den Berg entlang schlängelt und ein wunderschönes Panorama über den Barranco de las Peñitas mit dem längst verlandeten Stausee („Embalse de las Peñitas“) bietet, die vielen „cadenas de piedra“ an den Berghängen auf: Steinmauern, die dazu dienten, die steilen Flächen zum Ackerbau zu befestigen.

Außerdem sieht man auf der Strecke Richtung Vega de Río Palmas zahlreiche verfallene Felder mit Agaven, deren Sisalfaser eine Zeitlang im Rahmen von General Francos Autarkiepolitik zur Herstellung von Kleidern und Säcken dienen sollte. Der Versuch scheiterte jedoch an der billigeren Konkurrenz der Synthetikfasern. Heute benutzen die Einwohner nur noch die bis zu sieben Metern hohen Blütenstängel der Agaven und zwar, mit Lametta behängt, als Weihnachtsbäume

Aber zurück nach Pájara. Die oben erwähnte Tapas-Bar „Casa Isaítas“ mit ihren Holzgalerien und Balkonen ist auf jeden Fall einen Besuch wert: Das über 200 Jahre alte Haus wurde von den heutigen Besitzerinnen Pilar und Mercedes in mühevoller Kleinarbeit, getreu der alten Konstruktion aus Naturstein und gekalkten Wänden, renoviert. Es beherbergt, neben einem wunderschönen Innenhof und einem stimmungsvoll eingerichteten Bar-Restaurant, mehrere komfortable Fremdenzimmer
(ab 66 Euro pro Nacht).

Zum Frühstück werden handgemachter Ziegenkäse, holzgebackenes Brot mit Olivenöl sowie hausgemachte Kekse und Marmelade serviert. Wer zum Abendessen einkehren will, muss zuvor für Freitag-, Samstag- oder Sonntagabend einen Tisch bestellt haben (Tel.: 928 161 402). Ansonsten schließt die Küche nämlich um 18:30 Uhr, während der Woche um 16 Uhr (Do. Ruhetag).

Viele andere restaurierte traditionelle Häuser, teils mit den typischen dunklen Holzbalkonen aus dem 18. Jhd., finden sich an der Calle Terrero (Hausnummern 13, 15, 17, 19 und 21) sowie der Calle Real (Hausnummern 3, 5, 7, 8, 9, 11, 13 und 15).

Gegenüber der Kirche können Sie in dem Lokal “La Fonda“ in stilvoll restauriertem kanarischen Ambiente aus einer gut sortierten Speise- und Getränkekarte auswählen. Spezialitäten wie Kaninchen (”conejo”) oder Cabrito (= Zickleinbraten, mit Voranmeldung, dann besorgt die Wirtin frisches Zicklein) locken auch Ein-heimische immer wieder von weit her. Die beschirmte Sonnenterrasse ist der Treffpunkt für alle Pájara-Besucher und der Pausenplatz für die Bediensteten des gegenüber liegenden Bürgermeisteramtes. Die Küche ist in der Regel den ganzen Tag (von 10:30 bis 21:30 Uhr, Sa. Ruhetag) geöffnet.

Die nähere Umgebung

Wer an der “Bar Zas“ in die Calle Cañada einbiegt, sich dann rechts hält und der Straße bergaufwärts folgt, kommt bald an den westlich vom Ort gelegenen Friedhof. Wie alle Friedhöfe auf Fuerteventura liegt auch dieser außerhalb des Dorfes und ist von einer weißgekalkten Mauer umgeben. Hier können sich wohlhabende Bürger aus dem ganzen Umkreis (der nächste Friedhof ist in Morro Jable) bereits zu Lebzeiten für etwa 300 Euro eine Mauernische als letzte Ruhestätte reservieren.

Auf dem Weg zum Friedhof fallen die zahlreichen überwucherten Kakteenfelder auf, die sowohl der Cochenille-Zucht dienten als auch bis heute schmackhafte Kaktusfeigen liefern, die man früher geschält, getrocknet und gezuckert als “porretas“ verkaufte. Wenn Sie die roten Früchte sehen, probieren Sie ruhig mal eine. Die Feigen der kleineren (aber dafür stachligeren) “tuneras indias“ sind auch frisch besonders schmackhaft. Man schält sie, indem man die oberen Enden abschneidet, die Haut längs aufschlitzt und auseinander biegt, bis das Innere frei liegt. Vorsicht allerdings vor den feinen Stacheln, die zwar kaum zu sehen, doch umso heimtückischer sind! Die Majoreros reiben die Früchte vor dem Schälen auf dem Boden hin und her, um sie von den Stacheln zu befreien.

Wer der Calle Cañada geradeaus folgt, den führt der Weg an der Ruine einer alten “tahona“ vorbei, welche die Gemeinde momentan restauriert. Tahonas waren, meist von Kamelen betriebene, Getreidemühlen. Kunstvoll werden nun die alten Steine des Hauses, in dem sich die Mühle befand, Stück für Stück wieder aufeinander gesetzt, ein traditioneller Dachstuhl aus Tamariskenholz gebaut und alles mit Lehm verkleidet. Die Restauration dieser Tahona ist Teil eines Projektes, mit dem die Gemeinde den traditionellen Gebräuchen dieser Region wieder Leben einhauchen will. Schon bald sollen hier zu Demonstrationszwecken wieder Kamele im Kreis gehen, in den Kalköfen von Ajuy soll wieder Kalk gebrannt und in der alten Lohgerberei ein paar Kilometer nordwestlich von Pájara sollen auch bald wieder Häute gegerbt werden.

Ein weiterer Teil dieses Projekts, das die vor einem Jahr neu gewählte Gemeinderegierung verfolgt, ist die Restauration eines über 200 Jahre alten kanarischen Gutshauses, das alle typischen Elemente aus dem Leben jener Zeit zeigt: Eine eigene Tahona, ein runder Wasserspeicher, in dem sich die mit dem Regenwasser mitgeschwemmte Erde absetzen sollte (hier wächst heute eine mannshohe, prächtige Distel), alte Ställe und mehrere schöne “patios“ (= Innenhöfe).

Die Gemeinde möchte hier in Zukunft Ausstellungsräume für Kunsthandwerk, Theater und Musik
einrichten. Sie finden die Ruine dieses eindrucksvollen Hauses, wenn Sie am Ortseingang mit dem Kreisverkehr die schmale Straße an der “Bar Eucaliptos“ vorbei am Barranco entlang einschlagen.

An der linken Seite wird Ihnen eine gut erhaltene, kreisförmige Steinmauer ins Auge fallen. Es ist ein “corral“, in dem früher Ziegen zusammengetrieben wurden, allerdings ein besonderer, weshalb er ebenfalls von der Gemeinde restauriert worden ist: Es war der “Corral de Consejo“ (”consejo“ = Rat, Ratsversammlung) von Pájara, an dem beratschlagt wurde, was mit jenen Ziegen zu geschehen hatte, die auf frischer Tat dabei ertappt worden waren, des Nachbarn Gemüse zu fressen. Wenn der Besitzer jener Ausreißer nicht bereit war, den Schaden zu vergüten, so wurde hier seine Ziege öffentlich versteigert.

Rechts von diesem Corral, ein Stück weiter den Barranco hinauf, befindet sich das antike kanarische Wohnhaus, das zu erwerben der Gemeinde allerdings bislang noch nicht gelungen ist. Die Verhandlungen mit den zehn Besitzern laufen noch.

Bereits beendet sind die Restaurationsarbeiten an der oben erwähnten Lohgerberei, die ebenfalls einen Besuch wert ist.

Wenn Sie Pájara über die Straße in Richtung La Pared verlassen, nehmen Sie nach einem Kilometer die Abzweigung rechts nach Ajuy. Unterwegs fallen die vielen aufgegebenen Tomatenfelder, zahllose verlassene Steinfincas und etliche langsam vertrocknende Palmen ins Auge.

Die Straße führt entlang dem Barranco de las Peñitas, früher dank der Süßwasserquelle im benach-barten Barranco de la Madre del Agua ein fruchtbares Gebiet, in dem in den so genannten “gavias“, von Erd- oder Steinwällen umgebenen Feldern, Mais, Kartoffeln, Tomaten und Luzerne angebaut wurde.

Schon lange reichen Quell- und Regenwasser aus dem Barranco nicht mehr, um die Gavias wie früher Stück für Stück zu überschwemmen. Trotzdem werden von der öffentlichen Hand regelmäßig neue Terrassenfelder angelegt, mit dem Ziel, das Inselbild zu erhalten und die übrig gebliebene Landwirtschaft zu unterstützen. Ein Fußmarsch den Barranco de las Peñitas hinauf, an der Ermita de la Peña vorbei (einer winzigen Wallfahrtskapelle mit interessanter Geschichte) bis zur Stauseemauer wird mit wunderbaren Eindrücken belohnt.

Bevor die Straße Richtung Ajuy anfängt anzusteigen, geht kurz nach dem Müllcontainer links ein kleiner asphaltierter Weg ab, an dessen Ende die restaurierte “tenería“ (= Lohgerberei) liegt. Dies war die einzige Gerberei auf der Insel, und so kamen die Majoreros aus allen Dörfern bis in die 40er Jahre mit den Häuten ihrer selbst geschlachteten Ziegen, Schafe oder Kühe hierher. In dem großen Becken im Haupthaus wurden die Häute dank der “sumaque“, einer Mischung aus verschiedenen Kräutern, die dem Wasser zugefügt wurde, vom Fell befreit.

Im Nebenhaus sieht man verschiedene kreisrunde Becken, in denen ein Mann die Leder mit seinen Füßen weich trat. Das gebrauchte Wasser floss an der Rückseite des Hauses in die dahinter liegenden Felder ab, welche die Gemeinde übrigens jetzt als öffentlichen Grillplatz (inkl. Wasser- und Stromzufuhr!) einzurichten plant.

Zurück auf der Hauptstraße, lohnt es sich weiter zu fahren in Richtung Ajuy, ein pittoreskes Fischerdorf. Auf dem Weg bietet sich Ihnen ein grandioser Ausblick auf einen 660 m hohen Berg rechts von der Straße, der im Volksmund nicht umsonst “La Teta“ (=Busen) genannt wird.

AJUY

Dass es einst der wichtigste Hafen der Insel war, von dem aus Fuerteventura besiedelt wurde, sieht man dem “Geisterdorf”, das heute offiziell 130 Seelen zählt, längst nicht mehr an. Puerto de la Peña, wie Ajuy auch genannt wird, war zu Zeiten des Eroberers Jean de Béthencourt im 15. Jhd. der Hafen der alten Hauptstadt Betancuria. Hier wurden die Waren für die Stadt verladen, wozu die Schiffe in der etwas ruhigeren Nachbarbucht “Caleta Negra“ anlegten, und dann durch die Schluchtenge des Barranco de las Peñitas hinauf bis ins Landesinnere transportiert.

Doch mit dem wirtschaftlichen Abstieg Betancurias und mit dem Aufstieg La Olivas und Antiguas, die ihre Waren über die Häfen Cotillo bzw. Caleta de Fustes verschifften, verlor Puerto de la Peña an Bedeutung. Seit um 1800 Puerto de Cabras, wie die heutige Hauptstadt früher hieß, unaufhaltsam zu wachsen begann, versank der kleine Ort vollends in der Bedeutungslosigkeit. Die wenigen übrig gebliebenen Einwohner sollen sogar um ihre Trinkwasser- und Stromversorgung (beides erst 1986 angelegt) hart gekämpft haben müssen.

Doch seitdem müssen die Fischerboote nicht mehr mühselig mit vereinten Kräften an den Strand gezogen werden, sondern heute übernimmt ein Motor mit Seilzug (untergebracht in dem kleinen Steinhäuschen mit blauer Tür am Strand) diese Aufgabe.

Am Ortseingang brauchen Sie nur den schmalen Sträßchen immer bergab zu folgen, um zu dem breiten Strand zu gelangen, der teils aus Steinen, teils aus feinem, schwarzem Sand besteht. Der Blick auf das oft aufgewühlte Meer mit den hohen Brandungswellen ist atemberaubend. Zum Baden sollten Sie sich allerdings besser an die Ostküste begeben: Die Bucht von Ajuy ist, wie die allermeisten Strände der Westküste, für ihre gefährlichen Unterströmungen und den hohen Wellen-gang bekannt.

Den Namen „Playa de los Muertos“ (= Strand der Toten) trägt der Strand jedoch wegen der früheren Überfälle von Piraten, die regelmäßig wahre Blutbäder unter den Einwohnern anrichteten. Nur die Könner unter den Wellenreitern und Boogie-Boardern wagen sich hier ins Wasser; übrigens ein tolles Spektakel, das Sie sich nachmittags bei einem Imbiss in der sehr sehenswerten und ältesten Bar des Ortes direkt am Strand, dem Goldkäfig (”Jaula de Oro“), ansehen können.

Zu beiden Seiten der Bucht ragt die Steilküste auf, die besonders in nördlicher Richtung bizarre Felsformationen aufweist. Anfang der 90er Jahre wurde der hier beginnende 10 km lange Küstenabschnitt nordwärts zum “Monumento Natural“ (Naturdenkmal) erklärt, denn hier lässt sich die geologische Vergangenheit der Insel beispielhaft nachvollziehen.

Es führt ein gut ausgebauter Weg vom Strand die Steilküste hinauf, von dem aus Sie die aufgekippten Schichten des kreidezeitlichen Meeresbodens von Nahem begutachten können: Vertikal angeordnete grünliche und dunkelgraue Pakete von Tonschiefern und Sandsteinen, unterbrochen von weißlichen kalk- und quarzhaltigen Tiefwassersedimenten.

Diese Meeresbodensedimente aus der Kreidezeit deuten auf die enormen Hebungsprozesse der Vulkaninsel hin. Zwischen verfestigten Kalksandsteinschichten (gebildet aus den damaligen Dünen) finden sich immer wieder Lagen von Basaltstein, die alte Strandmarkierungen darstellen aus Zeiten, da der Meeresspiegel noch höher lag. Diese geologisch äußerst interessante und sehr eindrucksvolle cremefarbene Sedimentbank zieht sich wie ein helles Band kilometerweit nach Süden und Norden an der Westküste entlang.

In den Kalksandsteinschichten sind viele versteinerte Schneckengehäuse und andere fossile Schalentiere gefunden worden, die auf eine Entstehung circa 5 Millionen Jahre vor unserer Zeit hinweisen. Das Naturdenkmal von Ajuy ist somit das älteste Stück Erde auf dem Kanarischen Archipel.

Die Höhlen

Wind und Meer haben ein Übriges getan und bizarre Aushöhlungen in den zerklüfteten Felsen geformt. Die eindrucksvollsten davon sind zwei gewaltige Höhlen (”cuevas“), zu denen Sie bei ruhigem Seegang über in den Fels gehauene Treppenstufen hinabsteigen können. Dorthin gelangen Sie, indem Sie dem Weg entlang der Steilküste, an den Resten zweier Kalköfen und einem dazugehörigen Steinhaus vorbei, folgen.

Dem Fels vorgelagert liegt ein kleines Riff, das die starke Brandung ein wenig abhält. Hier legten die Schiffe an, die bis in die zweite Hälfte des 19. Jahrhunderts den begehrten Kalk auf die Nachbarinsel Gran Canaria brachten. Seitdem Kalkfarbe kaum noch im Baugewerbe benutzt wird, liegen die Kalköfen still.

Der hier beginnende, leicht ansteigende Pfad wurde früher von Kamelen begangen, auf deren Rücken die schweren Steinblöcke zu den Öfen gelangten. Ein alter Fischer erzählt von einem Unglück, bei dem ein Arbeiter auf der Höhe der Kalköfen beim Festzurren der Ladung auf dem Kamel rücklings ins Meer stürzte, nachdem ein Seil abriss. Er fiel glücklicherweise in die schmale Lagune zwischen Fels und Riff und konnte gerettet werden.

Nach etwa drei weiteren Minuten gelangt man zu den steil abwärts führenden Stufen, die bei starkem Seegang von der Gemeinde mit einem rot-weißen Band abgesperrt werden. Es kann einem allerdings auch passieren, dass sich das Meer längst wieder beruhigt hat und man gefahrlos hinabsteigen könnte, aber das Band noch tagelang hängen bleibt und die ängstlicheren Besucher um das faszinierende Erlebnis der Höhlenbegehung bringt.

Vom Inneren der ersten Grotte blickt man hinaus auf die wegen ihrer dunklen Felsen „Caleta Negra“, schwarze Bucht, genannt, in der zwischen Mai und Oktober, wenn das Meer den Fischfang erlaubt, die Fischerboote vor Anker liegen. In dem großräumigen vorderen Teil der Höhle feierten an den Wochenenden die Jugendlichen aus Pájara und Ajuy nach einem langen Nachmittag auf den Wellen ausgelassene Grillfeste, bevor die Gemeinde derartige Vergnügungen unter Strafe stellte. Ganz früher dienten die Grotten als Piratenversteck und später als Kalklager.

Von der ersten Höhle weist ein weißer Pfeil den Weg zur zweiten, etwa 600 m tiefen Felsgrotte, jedoch sollten sie es bei der Erkundung des vorderen Teils belassen. Der schmale weiterführende Höhlengang, der früher angeblich einen geheimen Tunnel bis zum Strand von Ajuy bildete, sei den Höhlenforschern überlassen. Wenn nicht gerade am Nachmittag die tief stehende Sonne ihre letzten Strahlen in die Grotten schickt, tut eine Taschenlampe bei diesem Ausflug gute Dienste.

Wieder oben, führt der Weg noch ein kleines Stück weiter bis zum ausgebauten Mirador
(= Aussichtspunkt), der einen interessanten Blick auf die Reste der kleinen Hafenanlage bietet, die ab dem 15. Jhd. dem Import und Export von Waren diente. Von hier aus führt an einer Gabelung ein Trampelpfad aufwärts weiter in Richtung Norden, oberhalb der Caleta Negra entlang, dann landeinwärts über eine steinübersäte Hochfläche, bis man nach ca. 45 Minuten zum berühmten Felsentor “Peña Horadada“ (=durchbohrter Fels) gelangt. An diesem 20 m hohen Felsentor mündet der Barranco de las Peñitas ins Meer. Dort hat sich ein natürliches Schwimmbecken gebildet, in dem man sich nach dem Fußmarsch wunderbar abkühlen kann.

Zurück im Fischerdorf, das ganz auf den Ausflugstourismus angewiesen ist, können Sie sich in einem der vier Fischrestaurants zum Beispiel die inseltypische “Caldo de Pescado“ (Fischsuppe) mit Gofio schmecken lassen — wenn auch zu relativ hohen Preisen. Aber dafür erleben Sie die Romantik der Brandungswellen, der vorgelagerten Felsenkulisse und natürlich des Sonnenuntergangs im Atlantik (Viele kommen eigens dafür an die Westküste!) hautnah, wie in einer Loge sitzend. Alle Restaurants verfügen nämlich über eine Terrasse mit Meerblick.

Sehr beliebt bei den Einheimischen, die das Dorf an den Wochenenden zum Leben erwecken, ist das Lokal “Puerto de la Peña“ (auch “Casa Fernando“) mit den blau-weißen Markisen, auf halber Höhe des Ortes.

Große Pläne...

Die Gemeinde Pájara hat große Pläne für den Bau eines geologischen Museums auf der Hochebene nördlich des Ortes, das die Entstehungsgeschichte dieser Region auf ansprechende Weise dokumentieren soll. Die Baupläne sind bereits bis ins Detail angefertigt, nur auf die Genehmigung wartet man noch. Schließlich ist die Region Teil des geschützten “Parque Natural de Betancuria”. Der Bürgermeister ist jedoch optimistisch; in etwa zwei Jahren soll alles fertig sein.

Bereits im Oktober 2004 soll aber der “Parque temático de Ajuy“ im Barranco von Ajuy eingeweiht werden, ebenfalls Teil des ehrgeizigen Projektes, der “Ruta turística del Norte“, mit dem die Gemeinde zeigen will, dass der Bezirk Pájara mehr zu bieten hat als nur die kilometerlangen Sandstrände im Süden. Sinn der Sache ist, das traditionelle Leben dieser Region wieder auferstehen zu lassen (und in eine touristische Sehenswürdigkeit zu verwandeln). Der Park wird sich der traditionellen Architektur, Gastronomie und Wirtschaft ebenso widmen wie der hiesigen Archäologie, Flora und Fauna.

Die alten Gavias im Barranco sollen wieder mit der ursprünglich dort wachsenden Kresse (”berro“, eine typische Ingredienz der “potajes“, der kanarischen Eintöpfe) bepflanzt werden. Auch die bis zu 150 Jahre alten Palmen sollen vor dem Vertrocknen bewahrt und die alten Bräuche in einem ethnografischen Freilichtmuseum vorgeführt werden. Wasser aus einem Tiefbrunnen (mit eigener Wasseraufbereitungsanlage) soll das Regenwasser ersetzen, das früher zur Überflutung der Anbauflächen genutzt wurde.

Viele dieser Gavias sind heute auch im Tal entlang der Straße von Pájara nach Tuineje kurz vor dem winzigen Bauerndorf Toto zu sehen, das in seiner ruhigen Abgeschiedenheit sicher auch einen Abstecher wert ist.

TOTO

Entlang der Strecke nach Toto sind die Berge übersät von unzähligen runden Büschen: das ist die Tabaiba, ein Wolfsmilchgewächs, das besonders nach Regenfällen die Berghänge plötzlich in sattem Grün erstrahlen lässt. Ihre giftige Milch (die sie vor den gefräßigen Ziegen schützt), wurde in früheren Zeiten übrigens auch zum Fischfang genutzt: Aus ufernahen, bei Flut überströmten Tümpeln ließen sich die Fische mit der Hand herauspflücken, nachdem das Wasser mit der betäubenden Substanz versetzt worden war.

Aus Pájara Richtung Tuineje kommend, liegt nach 2,4 Kilometern an der linken Hand Toto. Hier meint man leicht, dass die Zeit stehen geblieben ist. Wären da nicht die verfallenen ehemaligen Anbauterrassen, die sich weit die Berghänge um den Ort hinaufziehen und vom Niedergang des Ackerbaus zeugen, der (neben der Ziegenhaltung) seit Jahrhunderten Lebensgrundlage der Dorfbewohner gewesen war.

Zahlreiche Opuntienfelder erinnern noch an die Blütezeit der Cochenille-Zucht, die heute kaum noch genug Geld zum Leben einbringt, da die hiesigen Bauern bei den derzeit niedrigen Weltmarktpreisen für Naturfarbstoffe nicht konkurrenzfähig sind. Auch der Verkauf der “tunos“, der Kaktusfeigen, ist längst kein einträgliches Geschäft mehr.

Aber schon früher war das Leben für die Bauern aus Toto kein Zuckerschlecken. Denn wenn der Regen einen Winter ausblieb, trockneten auch die sonst relativ feuchten Talengen um Toto herum aus, und es blieb den Männern nichts anderes übrig, als woanders Arbeit zu suchen. Viele gingen auf die Nachbarinseln, und arbeiteten dort, zum Beispiel am Bau, für fünf bis sechs Monate im Jahr.

Heute verdienen die meisten Bewohner des Dorfes ihr Brot bei der Gemeindeverwaltung Pájara, dem größten Arbeitgeber dieser Region (siehe "Wirtschaft heute" weiter unten). Der Rest hat sich Arbeit in den Hotels im Süden gesucht, und so wird man Toto tagsüber völlig ausgestorben antreffen.

Höchstens der alte Don Jose María, dem früher die Dorfbäckerei gehörte, wandert an seinem Gehstock über die verstaubten Wege. Heute liegt oben auf dem Hügel eine große Industriebäckerei, die die Supermärkte der Region beliefert, wo Sie aber durchaus auch Brot für den Eigenbedarf kaufen können. Ansonsten gibt es keinerlei Geschäfte oder Bars (geschweige denn ein Restaurant) am Ort.

Die wenigen bewirtschafteten Felder sind nur noch die Feierabend- und Wochenendbeschäftigung einiger Nostalgiker, wie zum Beispiel Benjamin Díaz Díaz, dem wir bereits an der Noria von Pájara begegnet sind und der in Toto geboren ist und wohnt.

Nachdem er den “Demo-Esel“ Bombero nach getaner Arbeit in seinen Stall gebracht hat, verbringt er den Nachmittag auf seinem Stückchen Land in Toto, zwischen Maisstauden und Kartoffelpflanzen. Er erzählt, dass das kleine, übrigens historisch durchaus interessante Dorfkirchlein von Toto nur jeden zweiten Mittwoch, wenn der Pfarrer für die Messe kommt, die Türen öffnet. Aber er hat gleich einen Tipp parat: den Schlüssel kann man sich jederzeit bei Doña Ramona im Haus Nr. 23 an der Calle Cuesta de San Antonio abholen.

Vom Ortseingang folgen Sie der Straße geradeaus über die Barrancobrücke bergauf, bis Sie links die “Ermita de San Antonio de Padua“ mit dem beschaulichen Kirchplatz davor sehen. Das nächste Haus nach der Kirche trägt die Nummer 23, klopfen Sie an der zweiten Tür und bitten Sie um den Schlüssel (”La llave de la iglesia, por favor!”).

Das dem heiligen Antonius von Padua gewidmete Gotteshaus wurde in der zweiten Hälfte des 18. Jhds. erbaut und schließlich 1795 fertig gestellt. Es besteht nur aus einem Schiff, verfügt aber über zwei Portale, beide von hellem Steinmetzwerk umgeben: ein Eingang an der Seite unter dem Glockenturm, der aus Quadersteinen gebaut ist, und einer an der Längsseite am Kirchplatz. Es ist stockdunkel in der kleinen, einfach ausgestatteten Kirche (zum Aufschließen der Tür an der kurzen Seite den Schlüssel rechtsherum drehen), da die zwei kleinen Seitenfenster, genau wie die beiden Türen zur Sakristei am Altar, mit tiefroten Vorhängen verhängt sind. Einen Lichtschalter finden Sie aber neben dem Seiteneingang (nicht vergessen, wieder auszuschalten!).

Im Inneren stechen die einfache Holztäfelung der Decke sowie der verspielte weiße Kreidealtar, mit roten Tüchern verziert, ins Auge. Die Zentralnische im Altar nimmt eine Statue des Schutzpatrons des Ortes, des Heiligen Antonius, ein. Die Figur in volkstümlicher Ausführung ist mit ihren üblichen Abzeichen versehen, der Lilie und dem Jesuskind (auf einem Buch stehend) auf dem Arm, und gekleidet in das braune Ordenskleid der Franziskaner mit Hüftstrick. San Antonio wird links flankiert von seinem Ordensbruder, dem Heiligen Diego von Alcalá, einer kleinen Skulptur mit demütig nieder-geschlagenem Blick und einem Kreuz über der Schulter.

Da die Franziskaner den ältesten Orden auf der Insel gegründet hatten, stellten sich viele Dörfer unter den Schutz von Franziskanerheiligen.

Zu San Antonios Rechten befindet sich eine etwas kleinere Holzschnitzerei, die San Juan Bautista, Johannes den Täufer, darstellt. Einmal im Jahr, wenn am 13. Juni die Fiesta des Schutzheiligen von Toto gefeiert wird, verlässt die Figur des Heiligen Antonius ihren zentralen Platz hinter dem Altar und wird in einer Art Holzsänfte, die Sie gleich am Eingang stehen sehen, in feierlicher Prozession durch das Dorf getragen.

Gleich gegenüber der Kirche steht ein mobiles Eishäuschen (”helados“). Am frühen Abend ist es geöffnet. Dann treffen sich die wenigen Bewohner des Dorfes, um sich hier vor dem Kirchplatz, in Ermangelung einer Bar, eine “cerveza“, ein Bier zu genehmigen. Beim Verlassen des Örtchens fällt Ihnen kurz vor der Brücke an der linken Seite sicher ein großes, mehrstöckiges und mit braunem Stein verklinkertes Wohnhaus auf, das mit seinem riesigen Balkon und sogar mehreren Über-wachungskameras so gar nicht in das verschlafene Dorf zu passen scheint. Hier wohnt der vor einem Jahr abgewählte Bürgermeister des Gemeindebezirkes.

Wirtschaft heute und Zukunftsperspektiven

Über dessen “Fehltritte“ kann sich der jetzige Bürgermeister von Pájara, Rafael Perdomo Betancor, richtig ereifern. Die vorige Regierung setzte nämlich voll auf den Tourismus als Haupteinnahmequelle der Gemeinde und verdiente mit der Erteilung unzähliger Baulizenzen schnelles Geld. Zwar stellt nach Aussage des Bürgermeisters der Tourismus längst “den Motor der Wirtschaft dieser Gemeinde“ dar, schließlich arbeiten heute rund 90 Prozent der Bevölkerung im touristischen Sektor. Allerdings sei es nötig, das touristische Wachstum so zu kontrollieren, dass dabei das fragile Ökosystem der Insel nicht den Kürzeren zieht.

Außerdem braucht die Region ein zweites Standbein, um sich nicht gänzlich in eine solch gefährliche Abhängigkeit zu begeben. Anstatt auf den Bau weiterer Hotels (Zitat: ”Die Gemeinde Pájara benötigt nicht ein Bett mehr!“), will man sich auf eine Verbesserung der Infrastruktur konzentrieren, lokale Firmen statt internationaler Hotelkonzerne unterstützen und sich um den Erhalt des Inselbildes bemühen, zum Beispiel durch das unterirdische Verlegen von Telefon- und Elektrizitätsleitungen.

Die rasante touristische Entwicklung seit Ende der 60er Jahre hat die Aufgabe fast aller traditionellen Wirtschaftszweige nach sich gezogen, da der Großteil der Bevölkerung Arbeit im Dienstleistungs-bereich gefunden hat. Dies gilt auch für diese nördliche Region der Gemeinde, obwohl es hier keine touristischen Zentren gibt.

Dennoch ist direkt oder indirekt die Mehrheit der Bevölkerung vom Tourismus abhängig. Deshalb hat sich die jetzige Regierung zur Aufgabe gestellt, die ehemals dominanten Wirtschaftszweige Ackerbau und Viehzucht zu fördern und neu aufzubauen. Ziel ist es, zumindest einen gewissen Grad der Selbstversorgung zu erreichen, sodass beispielsweise nicht mehr das Gemüse, das die Hotelküchen verbrauchen, aus Deutschland importiert werden muss, weil das bisher die billigere Alternative ist.

Mit Subventionierungen und Fördermaßnahmen soll auch der Jugend von Pájara der primäre Sektor wieder schmackhaft gemacht werden. Der Anbau von Tomaten, Bananen, Paprika und anderem Gemüse für die eigene Wirtschaft sei in dieser Region einfach, solange das Wasser gesichert ist, bemerkt der Bürgermeister Don Rafael. Und das wird die Inselregierung den Bauern, die sich wieder der Landwirtschaft zuwenden, zum halben Preis zur Verfügung stellen. Es stammt aus der Meerwasserentsalzungsanlage in Puerto del Rosario.

Dennoch wird es nicht einfach sein, Ackerbau und Viehzucht zu reanimieren, nachdem die Jugendlichen einmal die Vorzüge eines gesicherten Einkommens und geregelter Arbeitszeiten, wie an den Hotelbars, in Autovermietungen oder Taxiunternehmen, kennen gelernt haben: “Wenn du Ziegen oder Tomaten hast, dann hast du kein Leben“, ist die gängige Meinung unter den Jüngeren hier im Binnenland.

Ziel Nummer eins ist deshalb für sie, einen Job beim hiesigen Ayuntamiento (= Rathaus), d.h. bei der Gemeindeverwaltung, zu ergattern. Diese beschäftigt rund 200 Festangestellte, und noch mal so viele Vertragskräfte, die als Gärtner, Müllmänner, Strandkehrer, Feuerwehr- und Polizeipersonal das “picobello“ Gemeindebild sicherstellen. Da wundert es nicht, dass in den sorgfältig gehegten und gepflegten Grünanlagen im Dorf Pájara kein Blättchen an der falschen Stelle liegt. Außerdem verfügt die Gemeinde über hochmoderne unterirdische Müllcontainer und eine wahre Flotte von Maschinerie, Traktoren und Lastkraftwagen. Sie nennt sogar vier Feuerwehrwagen ihr eigen, und übertrumpft damit gar den Hauptstadtbezirk Puerto del Rosario.

Nach Aussage des Gemeinderates für Tourismus, Guillermo Concepción Rodríguez, ist dies das Ergebnis der seiner Meinung nach falschen Ausgabenpolitik der vorigen Regierung. Einsparungen seien hier dringend nötig, denn es fehlt das Geld, um die immensen Unterhaltskosten zu decken: Die Schuldenlast der Gemeinde beläuft sich bereits auf 48 Millionen Euro!

Momentan befindet man sich in Verhandlungen mit einer Firma, die für die nächsten 50 Jahre die Wasseraufbereitung für den gesamten Gemeindebezirk sicherstellen und als Gegenleistung den Schuldenberg tilgen helfen soll.

Noch bis vor wenigen Jahren stellte neben dem Tourismus der Tomatenexport ein wirtschaftlich wichtiges Standbein für die Gemeinde Pájara dar. Besonders die Region um die Dörfer Pájara, Ajuy, Mézquez und Fayagua waren florierende Anbaugebiete.

Aber die Tomatenproduktion wird heutzutage immer mühsamer. Überdurchschnittlich hohe Kosten machen den Anbau für die hiesigen Bauern unwirtschaftlich: Nötig sind teure Gazeabdeckungen, welche die Pflanzungen vor Wind und Sonne schützen, sowie eine aufwändige Tropfbewässerung (”goteo“ genannt), um den Wasserverbrauch niedrig zu halten. Zudem versalzen die Felder bei regelmäßiger Bewässerung mit dem salzhaltigen Grundwasser (bis zu 7 g Salz pro Liter enthält das Grundwasser dieser Region), sodass auf eine zweijährige Nutzungsdauer eine zehnjährige Brache folgen müsste.

Am meisten Probleme aber macht den Bauern hier die Konkurrenz der marokkanischen Tomaten,
die zu viel geringeren Preisen (die Arbeitskraft dort ist bei weitem billiger als die auf den Kanarischen Inseln) verkauft werden. Der Preisverfall, seit die Kanarischen Inseln 1992 voll in die EU integriert wurden, sowie die hohen Frachtgebühren im Vergleich zur Festlandkonkurrenz tun ein Übriges.

Inzwischen hat sich für die roten Paradiesäpfel eben ein lukrativer Ersatz gefunden: die Touristen. Manuel von der Bar “Guayarmina“ kennt beide und meint lächelnd: “Touristen sind wie die Tomaten: Man muss sie hegen und pflegen.“ Dass der neue Gemeinderat von Pájara ähnlich denkt, lässt hoffen, dass mit der “Bauwut” der letzten Jahre erst einmal Schluss ist!

Statten Sie doch auch einmal Pájara und Umgebung einen Besuch ab und lassen sich “hegen und pflegen“. Es lohnt sich!
 

 

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Ein meist ausgetrocknetes Flussbett (barranco) zieht sich durch den Ort

 

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Auf dem Weg nach Ajui

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Toto, mit Terrassenfeldern im Vordergrund

 


 
Bisherige Fuerteventura Spezial-Reports
Gran Tarajal
...die Stadt ohne Tourismus
El Cotillo, Lajares, El Roque
...der alternative Nordwesten
Corralejo
...und die Insel "Los Lobos"
La Oliva
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Der Süden Jandías
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Puerto del Rosario
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zum Wrack der "American Star"
Antigua
...und die umliegenden Ortschaften
Agua de Bueyes, Triquivijate, Costa Caleta,
Costa Antigua, Salinas del Carmen, etc.
 

 


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